16. April 2024

Ist das Ampelsystem im Unterricht eine Hilfe oder eine Belastung?

Das Ampelsystem soll behilflich sein um die Lautstärke im Unterricht zu regeln, oder das Verhalten zu bestrafen. Doch ist dieses Ampelsystem wirklich eine Hilfe?

Warum ich das Ampelsystem im Unterricht nicht gut finde

Es gibt „unterschiedliche Ampelsysteme“, wobei damit lediglich die Herstellung gemeint ist. Manche haben eine tatsächliche Ampel in der Klasse hängen, andere basteln sich aus Tonkarton eine Ampel. An den selbstgebastelten Ampeln hängen häufig Wäscheklammern, worauf die Namen der Kinder geschrieben steht. Pro Kind somit eine Klammer.

Zunächst sind alle Kinder auf grün.

Ist die Lautstärke zu hoch, oder es gibt ein unangenehmes Verhalten oder es gibt Störungen, rutscht das jeweilige Kind, welches dafür „verantwortlich“ ist, auf eine andere Farbe. Damit sollen Kinder lernen, dass es Konsequenzen gibt, wenn man auf der roten Farbe landet. Es gibt eine Strafe.

An der Grundschule, wo meine beiden Töchter sind, ist die Ampel mit zwei Vorschaltungen installiert. Bevor man auf der Farbe gelb landet, hat man zwei Verwarnungen erhalten.

Was mich persönlich stört

Worauf fokussieren sich die Lehrer/innen?

  • Störungen
  • laute Kinder
  • unangemessenes Verhalten
  • keine Mitarbeit
  • quasseln untereinander

Somit wird darauf geachtet, was eigentlich vermieden werden sollte. Es ist doch klar, dass man sich auf jedes „Fehlverhalten“, auf jedes „laute“ Kind fokussiert. Man möchte ja nicht ungerecht sein, also müssen alle gleich behandelt/bestraft werden. Der Druck für die Lehrer/innen ist damit sehr hoch. Jedes Fehlverhalten „muss“ ja geahndet werden. Ein „Fehlverhalten“ muss geahndet werden und das Kind landet auf gelb. Nun muss sich das Kind zusammennehmen, damit es nicht auf rot landet und somit eine Konsequenz erhält.
In der Grundschule meiner Töchter ist die Konsequenz; „Eltern anrufen und abholen lassen. Also den Eltern erzählen, ´Ich habe mich nicht benommen´.

Die Kinder leben in der Schule also in permanenter Angst und mit negativem Stress. Ist das wirklich Entwicklungsförderlich?
Diese Form lädt die Kinder auch dazu ein, auf andere Kinder zu schauen um das „negative“ Verhalten zu melden. Die Achtsamkeit liegt auf dem negativen Verhalten der anderen Kinder. Wobei ein negatives Verhalten immer im Auge des Betrachters liegt. Es kann kein einheitliches Empfinden bei allen Lehrer/innen geben.

Ist es nicht eigentlich genau das, was man vermeiden möchte?

Was möchte man in der Schule erreichten?

  • Ruhe
  • Störungsarmer Unterricht
  • Angenehmes Verhalten
  • Mitarbeit im Unterricht
  • „richtiges Verhalten“

Das Ziel ist es, störungsarmen Unterricht und ein „richtiges“ Verhalten zu bekommen. Die Kinder sollen mitarbeiten und es soll Ruhe in der Klasse sein.

Das Ampelsystem bringt einen dazu, genau das Gegenteil zu erzeugen. Das kann für die Kinder nicht richtig sein.

/Die Lehrer/innen konzentrieren sich auf die vermeintlich negativen Dinge obwohl sie positives erhalten möchten. Und genau hier zeigt sich der entscheidende „Fehler“ im System. lesen Sie auch

Ich kann doch nichts Gutes erwarten, wenn ich mich auf das Schlechte fokussiere. Das ist unmöglich.

Kinder können sich unter Sanktionierungen nicht positiv entwickeln. Das sogenannte „schlechte Verhalten“ ist in 98% der Fälle ein Hilferuf. Hinter jedem Verhalten eines Kindes steckt ein Bedürfnis. Das wichtigste allerdings ist: Hinter jedem Kind steckt ein MENSCH mit Herz, welches genau so wie es ist, GUT ist.

Was ist die Alternative:

Es wird schwierig, wenn es darum geht, dass sich ein Mensch verändern soll. Allerdings bin ich hier an einem Punkt, dass ich folgende Aussage mache:

„Wenn wir, bzw. die Lehrer/innen, verlangen, dass sich die Kinder ändern, dann muss ich selbst ebenfalls bereit sein, mich zu ändern!“

Was können Sie machen =

  • die eigene Persönlichkeit „ändern“
  • positives Denken erlernen
  • den Unterricht ändern
  • spielerische Elemente in den Unterricht einbauen
  • aktive Erholung durch Bewegung
  • Beziehungen zu Kindern aufbauen
  • Positive Werte in der Klasse schaffen
  • Entspannungsübungen (Yoga, Atemübungen, Achtsamkeit)
  • Meditation
  • Umgang mit den eigenen Gedanken und Gefühlen mit den Kindern besprechen
  • Konfliktlösungsmöglichkeiten erarbeiten
  • die Erwartungshaltung gegenüber den Kindern ändern

Als Lehrkraft hat man sehr viele Dinge, auf die man im Unterricht achten soll/muss. Wir können von den Kindern nicht erwarten, dass alle gleichzeitig hochmotiviert sind, immer aufpassen, das gleiche lernen, gut mitarbeiten und immer ruhig sind. Sind wir erwachsenen Menschen dies etwa immer? Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir immer wieder unterschiedlich gelaunt/motiviert sind. Darum ist es wichtig, eine Beziehung aufzubauen, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, insofern, dass ich diese zu verstehen versuche. Zu hinterfragen und Lösungen anzubieten. Es ist wichtig zu wissen, dass es unterschiedliche Lerntempos gibt und sich darauf einzulassen. Es sollten daher verschiedene Lernangebote geben, damit sich ein Kind gut entfalten kann und die Erfolgserlebnisse hat.

Klingt erst einmal schwierig, ist aber nicht so. Im Gegenteil, es wird sogar sehr viel leichter sein als dieses Ampel System. Das Ampel System ist damit überflüssig.

Mit meinem Workshop „BLICK INS GEHIRN – Unterricht auf Augenhöhe“ behandle ich genau dieses Thema. Es ist enorm wichtig, auch für die eigene Gesundheit, sich den negativen Stress zu nehmen.

Die Beziehung zu den Eltern ist ebenso wertvoll, wie die Beziehung zu den Kindern. Denn mit den Eltern kann man gemeinsam an einem positiven Klassenverband arbeiten.

Die wertvollsten Aufgaben sind:

Die Kinder verstehen, ihre Bedürfnisse verstehen, hinterfragen, ihnen auf Augenhöhe begegnen. Ihnen Tools an die Hand geben, wie sie selbst ihre Bedürfnisse erkennen, ihnen Werte vorleben, ihre eigenen Werte erkennen und leben, sie innerlich stärken, ihnen zeigen, wie wertvoll sie sind, ihnen Mut machen, sie sein zu lassen, wie sie sind, sie nicht „verformen“, ihnen einen sicheren Ort bieten, ihnen Rückzugsmöglichkeiten geben, Eltern mit ins Boot holen.

Hinter jedem Menschen steht eine Geschichte, so auch bei den kleinen Menschen, unseren Kindern. Jedes Kind hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Es ist wichtig, zu verstehen, dass jeder Mensch ein „Problem“ unterschiedlich sieht und bewertet.

Ich werde hier nicht damit anfangen zu berichten, es sei alles sehr einfach und jede Lehrkraft kann das im Handumdrehen umsetzen. Wenn dem so wäre, dann bräuchte man mich als Coaches nicht. Dennoch ist es bisher immer gelungen, in den Workshops einen Weg zu erarbeiten, mit dem sich alle wohl fühlen und der Entwicklungspsychologisch sehr wertvoll ist. Es ist nicht mit einem Fingerschnips zu verändern. Vielmehr ist es ein Prozess, welcher sich entwickelt und stetig wächst. Dieser Prozess stärkt langfristig die Beziehung zu den Kindern und unter den Kindern.

Wenn wir einmal darüber nachdenken, wie wir uns fühlen würden, wenn wir von unserem Arbeitgeber so bewertet würden, dann würden wir innerlich mit diesem Arbeitgeber brechen. Die Kündigung wäre in Gedanken schon geschrieben. Dennoch „verlangen“ wir dies von unseren Kindern. Wenn wir also mal einen schlechten Tag haben, nehmen wir uns heraus, dies zu dürfen, aber unsere Kinder dürfen dies nicht?

Wenn wir mit dem Ampel-System erreichen wollen, dass unsere Kinder bloß nichts „falsch“ machen, dann kann ich aus Erfahrung wiedergeben, „Fehler sind wichtig um daraus zu lernen!

Insbesondere dann, wenn wir krampfhaft versuchen keinen Fehler zu machen, machen wir Fehler. Verkrampft geht unser Feingefühl verloren, die Feinmotorik funktioniert nicht mehr, ebenso wie unser Gehirn „nicht mehr funktioniert“. Unser Gehirn schaltet auf eine Gefahrensituation und ist bemüht uns zu schützen. Das ist ungesund, wenn wir diesen Zustand künstlich für unsere Kinder herstellen.

„Was du nicht willst, was man dir antuh, füge niemand anderem zu.“

Warum wollen wir unseren Kindern etwas antun, was wir selbst nicht ertragen wollen? Ich möchte nicht so bewertet werden, von meinen Auftraggebern. Diesen negativen Stress kann kein Mensch lange aushalten, ohne darunter zu zerbrechen.

Möchten Sie, dass sich in Ihrer Schule etwas ändert? Dann sprechen Sie mich gern an. Kontakt